Quellreych XXIII

Schlaraffia Berolina (2)

Berlin · Berlin

Stimmungsbild zur Berolina: Uhu, Bärenbanner, Berliner Weisse mit Schuss und Bier vor dem Brandenburger Tor

Bier in Berlin: die Berliner Weisse

Berlins Bier ist die Weisse: leicht, spritzig, milchsauer. Sie ist seit dem 17. Jahrhundert belegt, und um 1800 soll es in der Stadt rund 700 Weißbierstuben gegeben haben. Traditionell wird sie auch „mit Schuss“ getrunken, also mit Sirup.

Große Namen der Berliner Brautradition sind Schultheiss und Berliner Kindl, gegründet 1872 in Rixdorf. Beide werden heute von der Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei gebraut. Die Berolina, Reych Nr. 2 der Schlaraffia, widmet ihre Quellsippung passenderweise der Berliner Weisse.

Weisse-Handwerk, Brauereiburgen und neue Brauer in Berlin

„Berliner Weiße“ ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung: Nur Berliner Brauereien dürfen sie verwenden. Ihre Säure verdankt sie einer Mischgärung aus obergäriger Hefe und Milchsäurebakterien, oft ist auch die Wildhefe Brettanomyces beteiligt. Napoleons Soldaten sollen sie „Champagne du Nord“ genannt haben. Nach den Brauereifusionen verschwand die Schultheiss-Weisse, übrig blieb die Berliner Kindl Weisse. Seit den 2010er-Jahren brauen kleine Handwerksbrauereien den Stil wieder. Bekannt wurde etwa die 2016 gegründete Schneeeule von Ulrike Genz im Weddinger Englischen Viertel, die ihre Weisse ausdrücklich ohne Schuss servierte. Ende September 2025 schloss sie: Handwerklich gebraute Sauerbiere seien in Berlin nicht wirtschaftlich zu machen.

Wie groß Berlins Brauwesen im 19. Jahrhundert war, zeigt die Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg. Apotheker August Heinrich Prell gründete die Brauerei 1842; unter Adolf Roesicke wurde sie ab 1864 zur Großbrauerei für Lagerbier. Nach der Fusion mit der Tivoli-Brauerei war sie 1891 die größte Brauerei Deutschlands. Franz Schwechten baute ihr ab 1887 eine Anlage mit mehreren Höfen, die an eine mittelalterliche Burg erinnert. Gebraut wurde dort bis 1967; heute ist das denkmalgeschützte Gelände ein Kulturzentrum. Nicht weit davon lag die 1864 gegründete Bötzow-Brauerei, die 1886 Hoflieferant des preußischen Königs wurde. Dort endete das Brauen 1945.

Auch später kamen und gingen Brauereien. Die Berliner Bürgerbräu am Müggelsee in Friedrichshagen, gegründet 1869, braute am 1. März 2010 zum letzten Mal, ihre Marken übernahm die Radeberger Gruppe. Schon 1999 hatte Oli Lemke in einem S-Bahn-Bogen am Hackeschen Markt seine Brauerei eröffnet; seit 2018 braut er in den Bögen zwischen Alexanderplatz und Hackeschem Markt, unter anderem die Weisse „Luise“. Ein Kapitel ist dagegen abgeschlossen: Auf dem Internationalen Berliner Bierfestival an der Karl-Marx-Allee gab es seit 1996 Bier aus aller Welt, zu Spitzenzeiten kamen rund 800.000 Besucher. Im Februar 2020 kündigte der Veranstalter das Aus an, weil die Kosten zu hoch geworden waren.

Quellen: Wikipedia: Berliner Weißbier · Wikipedia: Berliner Kindl · Wikipedia: Kulturbrauerei · Wikipedia: Bötzow-Brauerei · Brunnenmagazin: Trauriges Ende für Weddinger Schneeeule-Brauerei · Website der Brauerei Lemke: Über uns · Wikipedia: Internationales Berliner Bierfestival

Das Reych Berolina

Die Berolina trägt die Nummer 2 der Schlaraffia: gegründet am 24. Oktober 1865, als Tochter der Allmutter Praga. Sie sippt in der Arminburg in der Lützowstraße in Berlin-Tiergarten, in Rot und Blau. Aus der Berolina ist 1973 die Castrum Siamesiae in Thailand hervorgegangen – Berliner Schlaraffen haben ihr Quell also bis in die Tropen getragen.

Mehr über Geschichte und Leben des Reyches steht auf seiner eigenen Webseite.

Die Quellsippung

Der Termin der nächsten Quellsippung wird hier eingetragen, sobald die Sippungsfolge vorliegt.

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