Bier in Arnstadt: sechs Jahrhunderte Braurecht
In Arnstadt wird seit 1404 nachweislich gebraut. Wie wichtig das Bier für die Stadt war, zeigt eine Zahl aus dem Jahr 1456: Fast ein Viertel der städtischen Einnahmen kam aus dem Bier.
Die 1876 gegründete Mergell-Brauerei prägte das Arnstädter Bier bis ins 20. Jahrhundert; nach 1954 wurde sie als volkseigener Betrieb weitergeführt. Im April 1992 wurde in Arnstadt zum letzten Mal industriell gebraut. 1997 kehrte das Brauen zurück – als Hotelbrauerei am historischen Standort, der Stadtbrauerei Arnstadt.
Bierrufer, Brauhöfe und eine Bieroper
Das Braurecht hing in Arnstadt an Haus und Hof. Nach der Chronik der Stadtbrauerei verlangte die Stadt 1543 von jedem Brauer einen „Brauhof mit Feuer und Rauch“, dazu Grundbesitz, vier Pferde und zwei Gästebetten. Um 1650 zählte man 126 Brauhöfe. Seit 1468 kündigte ein städtischer Bierrufer frisch gebrautes Bier an – für ein bescheidenes Entgelt. Der letzte seines Standes, Johann Matthias Köhler, starb 1825 und hinterließ 47 Verse auf das Weizenbier. Das erste Weizenbier der Stadt soll 1617 Nicolaus Fischer gebraut haben, Wirt der „Goldenen Gans“. Ein Chronist lobte es als braun, angenehm im Geschmack und sehr nahrhaft.
Wie sehr das Bier die Arnstädter beschäftigte, zeigt ein kurioses Stück Musikgeschichte: 1705 verfasste der Schulrektor Johann Friedrich Treiber (1642–1719) eine sogenannte Bieroper mit dem Titel „Die Klugheit der Obrigkeit in Anordnung des Bierbrauens“. Sie gilt als eines der frühen belegten Beispiele dieser Gattung. 1812 endete das Brauen in den einzelnen Bürgerhäusern, 1851 fielen die alten Braurechte, und die Zeit der Brauereibetriebe begann. 1866 entstand die Brauerei „Felsenkeller“ mit ihren Kelleranlagen. Sie wurde 1876 zur Keimzelle der Mergell-Brauerei, deren Bier in den 1880er-Jahren bis nach Oberhof und Zella-Mehlis geliefert wurde.
Heute knüpft die Stadtbrauerei an diese Geschichte an. Im Sudhaus entstehen vier Sorten mit programmatischen Namen: UrStoff (Helles), UrTyp (Dunkles), UrWeizen und UrBock. Bei Brauereiführungen tritt der Bierrufer wieder auf, als Rollenfigur neben den „Schankmädchen“. Das Gelände selbst ist ein Industriedenkmal: Nach dem Kauf 1994 mussten rund 2.500 Kubikmeter Schrott und Glasbruch geräumt werden, und 1998 öffnete in den historischen Produktionshallen die Stadthalle. Wer in Arnstadt ein Bier bestellt, trinkt also im wörtlichen Sinn auf historischem Grund.
Quellen: Stadtbrauerei Arnstadt: Historie · Brauwelt: Mergell-Brauerei Arnstadt · Wikipedia: Bieroper · Wikipedia: Johann Friedrich Treiber · inArnstadt: Brauereiführung Arnstadt
Das Reych Zu den drey Gleichen
Das Reych Zu den drey Gleichen ist jung: gegründet am 24. Oktober 2020, als Tochter der Vimaria aus Weimar. Es trägt den Namen der drei Burgen Gleichen, Mühlburg und Wachsenburg, die zwischen Arnstadt, Gotha und Erfurt über dem Land stehen, und sippt in der Gleichenburg in Arnstadt. Zum Reych gehört das Feldlager Ysen-Aha in Eisenach. Die Reychsfarben sind Blau, Gold und Rot.
Mehr über Geschichte und Leben des Reyches steht auf seiner eigenen Webseite.
Die Quellsippung
Das Reych Zu den drey Gleichen lädt zur Quellsippung nach Arnstadt – in eine Stadt, die schon im Mittelalter einen guten Teil ihrer Einnahmen aus dem Bier bestritt.
Termine aus der Sippungsfolge des Reyches. Änderungen sind möglich – bitte vor dem Besuch beim Reych nachfragen.
Passend dazu im Bierwissen
Quellreyche in der Nähe
- Eisenach – Feldlager Ysen-Aha (ca. 50 km)
- Eschwege – Am Eschenwege (ca. 70 km)
- Hof – Curia Salensis (ca. 90 km)
