Beer in Washington: Heurich und der Neubeginn
Die Brauerei des deutschstämmigen Christian Heurich war die größte in der Geschichte der amerikanischen Hauptstadt. Sie braute von 1872 bis 1956. Danach dauerte es lange, bis in der Stadt wieder in größerem Maßstab Bier entstand: Gasthausbrauereien sind seit 1991 erlaubt, und erst 2009 wurde mit DC Brau die erste Produktionsbrauerei seit 1956 gegründet; ihr erstes Bier kam 2011.
Seitdem ist eine lebendige Szene kleiner Brauereien entstanden – ein schöner Bogen für ein Reych, das deutsche Tradition in die Neue Welt trägt.
Von der Navy Yard bis zum Brewmaster’s Castle
Gebraut wurde in Washington lange vor Heurich. Die erste Brauerei der Stadt, die Washington Brewery, gründete Dr. Cornelius Coningham 1796 in Foggy Bottom. 1805 zog sie an die Navy Yard, wo heute der Yards Park liegt, und bestand bis 1836. Zeitweise waren die Brauer nach der Bundesregierung der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt. Im 19. Jahrhundert prägten deutsche Einwanderer die Szene: George Juenemann eröffnete 1857 mit Owen Humphrey einen Biergarten samt Brauerei, in dem Quadrillen und deutsche Walzer getanzt wurden. Albert Carry gründete 1890 mit Robert Portner die National Capital Brewing Company auf dem Capitol Hill, deren Sorten „Golden Eagle“ und „Münchner“ hießen.
Das Ende kam früh, denn Washington wurde schon 1917 „trocken“, Jahre vor der landesweiten Prohibition. Carry machte aus seiner Brauerei eine Eiscremefabrik, Heurich verlegte sich auf die Produktion von Eis. Der Thüringer Heurich (1842–1945) war 1866 ausgewandert und hatte seine Brauerei 1895 nach Foggy Bottom verlegt, dorthin, wo heute das Kennedy Center steht. Sie war für 500.000 Barrel im Jahr ausgelegt (rund 590.000 Hektoliter), und ihr Flaggschiff war das „Senate“-Bier. Bei der Pariser Weltausstellung 1900 gab es Silber. Die Gebäude wurden 1961 abgerissen; ihr Gründer hatte das nicht mehr erlebt, obwohl er 102 Jahre alt wurde.
Sein Wohnhaus steht noch: Das 1892 bis 1894 erbaute „Brewmaster’s Castle“ an der New Hampshire Avenue ist heute das Heurich House Museum. Im Garten schenkt der Biergarten „1921“ Bier aus Washingtoner Brauereien aus, dazu eine Neuauflage des Senate Beer. Im Kutschenhaus zeigt die Ausstellung HOME/BREWED rund 1.000 Objekte aus der Brauerei. Schön geschlossen hat sich auch der Kreis an der Navy Yard: Seit Oktober 2013 braut Bluejacket in den Boilermaker Shops von 1919, in denen einst Kessel für Kriegsschiffe entstanden. Und am 10. Oktober 2026 lädt das Festival Snallygaster zum 14. Mal mit mehr als 450 Bieren auf die Pennsylvania Avenue.
Quellen: Wikipedia: Christian Heurich Brewing Company · Wikipedia: DC Brau · WETA Boundary Stones: Washington Brewery · Wikipedia: National Capital Brewing Company · Wikipedia: Heurich House Museum · Heurich House Museum: 1921, a Biergarten · National Trust for Historic Preservation: Bluejacket Brewery
Das Reych Washingtonia
Die Washingtonia wurde am 28. März 1914 gegründet; Mutterreych ist die Colonia Agrippina aus Köln. Sie sippt in der Potomacburg in der amerikanischen Hauptstadt, in Grün und Weiß. Wie viele Reyche in Nordamerika verbindet sie deutsche Sprache und Tradition mit amerikanischer Gastfreundschaft – und reitet für ihre Quellsippung auch schon einmal über den Atlantik bis nach Eisenach.
Mehr über Geschichte und Leben des Reyches steht auf seiner eigenen Webseite.
Die Quellsippung
Die Washingtonia reitet über den Atlantik ins Feldlager Ysen-Aha und stellt die große Frage des Abends: Was stärkt die Freundschaft mehr – ein Quell oder zwei?
Zum St. Patrick’s Day heißt es bei der Washingtonia: Hopfen und Malz verloren? Die zweite Quellsippung mit virtueller Teilnahme aller quellfesten Sassen.
Termine aus der Sippungsfolge des Reyches. Änderungen sind möglich – bitte vor dem Besuch beim Reych nachfragen.
Passend dazu im Bierwissen
Quellreyche in der Nähe
- Philadelphia – Filadelfia (ca. 220 km)
- Mönchengladbach – Gladebachum Monachorum (ca. 6.340 km)
- Bremen – Brema (ca. 6.400 km)
